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28.–29. März 2025

Goethe-Institut Uzbekistan, Tashkent

Amir Temur Avenue 42, 100000, Tashkent, Uzbekistan

WHOSE VOICE IS THIS? – Archivfunde aus Zentralasien

Im Archiv des Arsenal befinden sich circa 50 Filme aus Zentralasien. Sie sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden und zeichnen ein lebendiges Bild der politischen, kulturellen und künstlerischen Entwicklungen der Region. Während große Teile des sowjetischen Kinos den dominanten ideologischen Narrativen folgten, zeigen sich bei genauer Betrachtung der zentralasiatischen Filme im Bestand des Arsenal unterschwellige Zeichen von Verlusterfahrungen wie auch von Widerstand und subtiler Rebellion. Diese Filme zu betrachten, ist weniger Rückschau als vielmehr eine aktive Auseinandersetzung mit der Erinnerung. Aus heutiger Perspektive zeigen sich in ihnen nicht nur die einstmaligen sowjetischen Kolonialnarrative, sondern auch Wege des individuellen Widerstands sowie neue Lebensentwürfe jenseits politischer Zwänge.
„WHOSE VOICE IS THIS? – Archivfunde aus Zentralasien“ war das Ergebnis einer intensiven Beschäftigung mit dem Archiv des Arsenal und bietet die Möglichkeit, sich tiefer mit diesen Themen auseinanderzusetzen: Wie können wir unsere Narrative zurückgewinnen? Wie können wir die Rahmenbedingungen, die uns lange geprägt haben, hinter uns lassen? Diese Fragen schwingen bei der Neubetrachtung dieser Filme mit und bieten neue Möglichkeiten für das zentralasiatische Kino von heute.
Kuratiert von der kasachischen Künstlerin Dana Iskakova und der usbekischen Filmemacherin und Künstlerin Saodat Ismailova war„WHOSE VOICE IS THIS? – Archivfunde aus Zentralasien“ ein gemeinsames Projekt des zentralasiatischen Forschungskollektivs DAVRA und des Goethe-Instituts Usbekistan. Drei Filmprogramme schlugen eine Brücke von der Filmsammlung des Arsenal hin zur zeitgenössischen Filmproduktion in Zentralasien. Weiterer Bestandteil war eine Gesprächsrunde zur Situation in den regionalen Filmarchiven.
Unser Dank gilt Qazaqfilm, Kyrgyzfilm und der Agentur für Kinematografie Usbekistans für ihre Zusammenarbeit bei der Erteilung der Genehmigungen für die Filmvorführungen.

Arsenal’s film archive holds around 50 films from Central Asia dating back to the second half of the 20th century, and offering a vivid portrayal of the region’s evolving political, cultural, and artistic landscapes. While Soviet-era cinema adhered to dominant ideological narratives, a closer look reveals an undercurrent of loss, resilience, and subtle resistance. Revisiting these films is an active engagement with memory, not just retrospection. The archive is dynamic and continually evolving, raising new questions. Viewing these films today, Soviet colonial narratives can be encountered, but also the ways individuals resisted and reimagined life beyond those constraints.
"WHOSE VOICE IS THIS?" was the result of a deep engagement with Arsenal’s archive, reconstructing and uncovering forgotten materials. This program, organized in collaboration with and at the Goethe-Institut in Tashkent, offered an opportunity for the research to travel to Central Asia and delve deeper into these topics: how can we reclaim our narratives? How do we move beyond the frameworks that once shaped us? These questions continue to resonate as we reintroduce these films, offering new possibilities for Central Asian cinema today.
Curated by Kazakh artist Dana Iskakova and Uzbek filmmaker and artist Saodat Ismailova, "WHOSE VOICE IS THIS? – Archival Finds from Central Asia" was held in collaboration with the Central Asian Research Collective DAVRA and the Goethe-Institute in Tashkent. The program featured three film programms that connected the Arsenal film collection with contemporary Central Asian cinema. Additionally, a panel discussion explored the state of regional film archives.
We would like to thank Qazaqfilm, Kyrgyzfilm, and the Cinematography Agency of Uzbekistan for their cooperation in obtaining permits for film screenings.

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Whose Voice is This?, Dana Iskakova und Saodat Ismailova, UZB 2024

The Golden Saqa, Bolat Omarov, Kasachische SSR 1976

Her Five Lives, Saodat Ismailova, UZB 2020

Gelin, Gelin, Daughter-In-Law, Khodzhakuli Narliev, Turkmenische SSR 1972

Apat, Nazira Karimi, KAZ/AT 2023

REVIEW

In "1997" gibt es einen Moment, in dem der junge Protagonist Rustem mit einem Notizbuch in der Hand über die Stadt Almaty blickt. Er ist allein und dennoch umringt ihn der Wandel. Die Szenerie vor ihm wirkt vertraut, aber die Menschen und die Welt, wie er sie kennt, verändern sich unter seinen Füßen. Und wie er da in sein Notizbuch kritzelt, kommt bei uns das Gefühl auf, als versuche er etwas Flüchtiges einzufangen — eine Identität, eine Lebensart, vielleicht die Sprache seiner Jugend. Es ist eine ruhige, fast schon belanglose Szene, aber man kann die Anspannung fast greifen. Eine stille Dringlichkeit liegt in seinen Bewegungen, während er weiterhin wild in sein Notizbuch schreibt — er versucht, etwas einzufangen. Es ist nicht nur eine Suche nach etwas Verlorenem; es ist ein Wettrennen gegen die Zeit, um das zu bewahren, was zählt.
Diese Suche, dieses Wettrennen war das Herzstück von "Whose Voice Is This?". Das Programm hat archivarische Schätze aus Zentralasien mit derselben Dringlichkeit wieder ans Tageslicht geholt. So wie Rustem ging es dem Programm nicht darum, das Vergessene einfach wieder hervorzuholen — es ging um die Freude hinter dem Wiederentdecken, um die Beständigkeit wiedergewonnener Stimmen und Geschichten, die noch nicht zu Ende erzählt sind. Die Archivfilme, voller einst vergessener, zensierter oder verlorener Stimmen und Bilder, sind wie Rustems Skizzen: Ein Akt des Erinnerns, eine Geste, um die Dinge zu präservieren, bevor die Zeit sie vergilben lässt. Es ist wichtig, dass sich nicht nur an diese Geschichten — diese Stimmen — erinnert wird, sondern dass sie auch wieder Gehör finden.

In "1997", there’s a moment when Rustem, the young protagonist, looks out over the city of Almaty, notebook in hand. He’s alone, yet surrounded by the weight of change. The landscape in front of him is familiar, yet the people and the world he knows are shifting beneath his feet. As he scribbles in his notebook, we get a sense of his struggle to capture something he feels slipping away—an identity, a way of life, perhaps even the language of his youth. It’s a quiet, almost mundane scene, but the tension is palpable. As he keeps writing fivouresly in his notebook, there’s a quiet urgency in his movements—he’s trying to capture something. This isn’t just a search for something lost; it’s a race against time to preserve what still matters.
This search, this race, was at the heart of "Whose Voice Is This?". The program uncovered the archival treasures of Central Asia with the same sense of urgency. Like Rustem, the program wasn’t simply uncovering what’s been forgotten—it was about the joy of rediscovery, the vitality of reclaiming voices and histories that still have so much to tell. The archival films, filled with voices and images once forgotten, censored or lost are like Rustem’s sketches: an act of remembering, a gesture to preserve before time takes its toll. It’s a vital effort to ensure that these stories—these voices—are not just remembered, but heard again.

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Saodat Ismailova (Davra)on screen, Dana Iskakova (Davra), Ella Shechter (Arsenal), Maren Niemeyer (Goethe- Institut) and Nigora Karimova (Institut für Kunstwissenschaften der Akademie der Wissenschaften der Republik Usbekistan)

Goethe-Institut Uzbekistan, Tashkent

Amir Temur Avenue 42, 100000, Tashkent, Uzbekistan

Das globale Netzwerk des Goethe-Instituts umfasst 151 Institute in 98 Ländern sowie zahlreiche Partnereinrichtungen. Sie unterstützen den Aufbau nachhaltiger Strukturen in den lokalen Kulturszenen und fördern die weltweite Vernetzung von Kulturschaffenden. Film ist ein zentraler Bestandteil der Programmarbeit: Jährlich werden mehrere tausend Filmvorführungen organisiert und vielfältige Diskursräume geschaffen: „Wir glauben an die Kraft des Kinos, Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen auch über das Filmsehen hinaus an einem Ort zusammenzubringen. Das Kino als kollektiver Erfahrungsraum schafft die Möglichkeit, in andere Lebensrealitäten und Perspektiven einzutauchen. So lädt der Besuch dazu ein, einander wahrzunehmen, etwas miteinander zu teilen, um bereichert aus dem Kino zurückzukehren.“
Diese Begegnungen sowie die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen und Erfahrungen sind notwendiger denn je, um in einer Welt der Umbrüche und Unsicherheiten solidarisch zu handeln. Die Vernetzung von Kinos weltweit, von Kinogeschichten und kulturellen Gedächtnissen ist für das Goethe-Institut ein unverzichtbarer Wert, um offene und kritische Denk- und Begegnungsräume zu bewahren.
Das Goethe-Institut Usbekistan in Tashkent engagiert sich aktiv in der lokalen Kulturszene.

The Goethe-Institut’s global network encompasses 151 institutes in 98 countries as well as many partner institutions. They support the development of sustainable structures in local arts scenes and promote worldwide networking among creatives. Film is a central pillar of their programming: annually, thousands of film screenings are organized and diverse spaces for discourse created. „We believe in the power of cinema to bring people from different backgrounds together in one place, even beyond the act of watching a film. As a space for collective experiences, cinema creates the opportunity to immerse oneself in other realities and perspectives. A visit therefore invites people to perceive one another, to share something, and to leave the cinema enriched.“
These encounters and the engagement with diverse viewpoints and experiences are more necessary than ever to act in solidarity in a world of upheavals and uncertainties. For the Goethe-Institute, the networking of cinemas worldwide, along with the histories and cultural memories they carry, is an indispensable value for preserving open and critical spaces for thought and exchange.
The Goethe-Institut Uzbekistan in Tashkent engages in the local cultural scene.

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